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Gymnasium Wendelstein

In der Gibitzen 29 • 90530 Wendelstein • 09171 81 88 00

Unterstützung im Fall von Mobbing

Infos & Tipps

Was ist Mobbing?

Als Mobbing wird das gezielte und wiederholte Herabsetzen, Beleidigen, Nötigen oder Verletzen eines Mitmenschen bezeichnet, der unter dieser Behandlung leidet, Angst entwickelt und dadurch sein Vertrauen in seine Mitmenschen verliert.

Wann wird gemobbt?

Mobbing muss nicht aus Streit entstehen. Es ist auch nicht so, dass Mobber*innen grundsätzlich böswillig handeln. Sie tun es erst, wenn sie merken, was sie anrichten – und dann nicht mit dem Mobbing aufhören. Wahrscheinlich gerät jeder Mensch immer wieder in die Lage, aus guten oder vermeintlich guten Gründen andere anzugehen, zu kritisieren, womöglich beleidigend zu wirken. Vor allem Kinder und Jugendliche müssen hier noch viel Erfahrung sammeln, z.B. wo die Grenzen liegen. Aber auch Erwachsene sind nicht gegen Übertretungen gefeit.

Das Mobbing beginnt in dem Moment, da ein Mensch die Grenze von der Kritik hinüber zur seelischen oder körperlichen Verletzung überschreitet, oder wenn er oder sie unerwünschte Informationen verbreitet. Auch ein kurzer Satz wie „keiner mag dich“ birgt bereits eine große Verletzung des Selbstwertgefühls des Adressaten in sich.

Wer mobbt?

Nicht jede*r Mobber*in fällt durch offensichtliches Beleidigen, Nötigen oder Verletzen seiner Mitmenschen auf. Hier wäre der Fall an der Schule ziemlich klar: Der/die Mobber*in outet sich durch regelwidriges Verhalten und läuft Gefahr, jederzeit dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Der Fall liegt oft aber im unterschwelligen, nicht nachweisbaren Bereich: Hier kann jeder Mensch mit seinen Äußerungen Wirkungen erzeugen, die ein anderer als Verletzung empfindet. Wichtig ist es deshalb, jemandem, dem man das Mobben unterstellt, klar zu machen, dass man es als Mobbing empfindet: „Bitte hör auf, mich zu mobben!“ – Erst danach ist es auch für die/den Mobber*in klar, dass er/sie Gefühle verletzt hat. Jetzt kann man es mit Aussicht auf Erfolg von der Mobberin / vom Mobber erwarten, dass sie/er ihr/sein Verhalten ändert.

Abb.: Weiß die Mobberin / der Mobber, dass sie / er mobbt? Der Elefant wusste es wohl nicht.

Warum wird gemobbt?

Wie kann man sich wehren?

Wer den Text bis hier hin gelesen hat, kann vielleicht schon selbst ein paar Tipps entdecken, wie man sich wehren kann:

  • Mache es den Mobber*innen deutlich, was sie tun und wie du das empfindest. Suche dabei den Schutz von Mitschüler*innen, die nicht am Mobbing beteiligt sind, z.B. Klassensprecher*in, Schülersprecher*in, Tutor*in. So lange der/die Mobber*in nicht weiß, was er/sie tut, kannst du nicht erwarten, dass er/sie damit aufhört. Wenn es nicht anders geht: Steh auf und schleudere ihr/ihm ein lautes „Stopp“ oder „Hör auf“ entgegen – zur Not auch mitten im Unterricht.
  • Verstößt der/die Mobber*in dagegen offensichtlich gegen Regeln, so bitte andere, dieses Verhalten zu bezeugen. Hole dir dann Hilfe bei Lehrer*innen. Keine Angst: Auch sie wissen mit den Skrupeln umzugehen, die dich beschleichen, wenn du denkst, du könntest jemanden verpetzen. „Hilfe suchen“ heißt NICHT automatisch „Petzen“!
  • Versuche, dich nicht „fernsteuern“ zu lassen: Mobber*innen reagieren oft wie ganz kleine Kinder, die es einfach nicht lassen können, auf die Fernsteuerung zu drücken (s. Abb.). Tu den Mobber*innen nicht den Gefallen, eine solche Show zu liefern. Bremse dich, wenn du ausrasten möchtest. Zeige die kalte Schulter, auch wenn du innerlich kochst. Bleib cool, auch wenn du weinen möchtest. Trost findest du bei anderen Mitmenschen und anderen Gelegenheiten. Nutze den Spruch:

 

„Was schert es eine Eiche, wenn sich eine Wildsau an ihr kratzt“ (s. Abb.)

 

  • Sei die Eiche und schmunzele bei dem Gedanken, wer dann die Wildsau wäre! In den meisten Fällen versiegt die „Experimentierlust“ der Mobber*in bei dieser Coolness recht schnell.
  • Versuche herauszufinden, wie deine Mitschüler*innen mit diesem Problem umgehen! Geht es ihnen genau wie dir, so seid ihr schon mehrere, die sich schützen, beraten und wehren können. Wirken sie sicherer, souveräner oder unverletzlicher, so finde heraus, woran das liegen kann. Wie verhalten sie sich? Was tun sie, was tun sie nicht? Frage sie, falls du ihnen vertrauen kannst!

In seltenen Fällen kann es sein, dass alle diese Tipps nicht zu helfen scheinen: Wenn die Mobber*innen weiter mobben, obwohl du sie darum gebeten hast, damit aufzuhören. Wenn das Verhalten der Mobber*innen nicht greifbar, nicht überprüfbar ist, wenn die Hilfe durch Mitschüler*innen schon einmal schief gegangen ist. Wenn das Mobbing so massiv wird, dass man nicht mehr darüber stehen kann, nicht mehr cool bleiben kann. Wenn man merkt, dass einem die Situation so an die Nieren geht, dass das Besuchen der Schule oder das Spielen auf der Straße unerträglich wird.

Spätestens hier musst du – am besten zusammen mit deinen Eltern – Hilfe bei Klassleiter*in, Vertrauenslehrer*n, Stufenbetreuer*in oder Schulpsycholog*in suchen. Mute es dir nicht zu, das Problem allein zu bewältigen! Neben vielen Maßnahmen, die in der Schule getroffen werden können (erhöhte Aufmerksamkeit der Lehrkräfte, Anti-Mobbing-Training mit einem Coach, seelische Unterstützung durch Schulpsycholog*in) bleiben dir auch noch die Entscheidungen über den Verbleib in deiner Klasse oder an deiner Schule.

Es sind dies aber keine automatisch guten Ziele und Lösungsmöglichkeiten. Zum einen würdest dann du allein die Last des Problems tragen und nicht die Verursacher*innen. Zum anderen kämest du in der neuen Klasse oder an der neuen Schule womöglich in eine ähnliche Situation ohne die gute Erfahrung, sich erfolgreich zur Wehr gesetzt zu haben. Diese Erfahrung aber wird dich weiterbringen und in Zukunft vor ähnlichen Situationen schützen – sammle sie am besten dort, wo die Herausforderung entstanden ist.

Abb.: Viele Mobber*innen wurden oder werden selbst gemobbt: Der Wolf hat das gleiche Problem. Deshalb trät er es nch Außen. Deshalb disst er die Maus.

Wie sollte man sich NICHT wehren?

Mit einiger Verblüffung stellt man beim Untersuchen dieser Fälle immer wieder fest: Täter*innen (Mobber*innen) waren oft selbst schon Opfer. Und es gibt weltweit Untersuchungen über die Entstehung von Gewalt, die immer wieder den gleichen Mechanismus zeigen: Der Täter / die Täterin stilisiert sich zum Opfer – ob sichtbar oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Aus der Erfahrung eigener Ohnmacht heraus greift sie/er zu drastischen Maßnahmen, schlägt um sich, mit Worten oder mit Fäusten. Darin kann der Grund für das Mobbing liegen. Helfen wird es nicht.

Das heißt, du solltest das dir zugefügte Leid nicht zum Anlass nehmen, selbst zu mobben! 

Du solltest wissen, dass Mobber*innen eigentlich bereits Opfer sein können, z.B. ihrer älteren Geschwister, ihrer „Freunde“ oder sogar ihrer Eltern. Kinder, die von ihren Eltern stark diszipliniert, gegängelt und sogar geschlagen werden, neigen deutlich mehr zu Mobbing als Kinder aus Elternhäusern mit weitgehend gewaltfreier Kommunikation (keine Beleidigungen, keine Kränkungen, keine Übergriffe). Wie ergeht es hier wohl der/dem Mitschüler*in, unter dessen Worten oder Taten du leidest? Frag ihn/sie doch mal!

Zum Schluss

Nutze dieses Wissen einfach, um deine Wut in Mitleid, dein Leid in Erfahrung und deinen Zorn in die Kraft zur Problemlösung zu verwandeln. Auf diesem Wege bist du auf jeden Fall die/der Stärkere, egal wie „stark“ die/der Mobber*in sein mag, die/der versucht, sein Opfer-Dasein auf dich zu übertragen.

 

Kritik und Verbesserungsvorschläge bitte an ...

Werner Bloß (Pädagogische Betreuung Mittelstufe)