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Gymnasium Wendelstein

In der Gibitzen 29 • 90530 Wendelstein • 09171 81 88 00

Blindes Vertrauen führt zum Erfolg

Goalball-Turnier am Gymnasium Wendelstein

Plötzlich wird es mucksmäuschenstill in der Sporthalle des Gymnasiums Wendelstein. Kein Anfeuern, keine Zurufe – nur das leise Klingeln des Balls ist zu hören. Mit verbundenen Augen tasten sich die Spielerinnen und Spieler über das Spielfeld, orientieren sich ausschließlich am Gehör und werfen sich mutig in die Flugbahn des Balls. Für die meisten von ihnen ist es die erste Begegnung mit Goalball – und eine Erfahrung, die sie so schnell nicht vergessen werden.

Das Turnier am Mittwoch, 29. Juli 2026, bildete den Abschluss eines außergewöhnlichen P-Seminars der 11. Jahrgangsstufe. Zwölf Jugendliche hatten sich unter der Leitung von Volker Zwack ein Schuljahr mit dem Thema „Barrierefreie Stadtgestaltung“ beschäftigt. Ziel des Projekts war es, die Barrierefreiheit städtischer Räume für Menschen mit Sehbeeinträchtigung zu untersuchen und das Bewusstsein für deren Lebensrealität zu stärken.

Dazu nahmen die Jugendlichen den touristischen Bereich der Nürnberger Altstadt genau unter die Lupe, überprüften Wege, Orientierungsmöglichkeiten und Hindernisse aus der Perspektive sehbeeinträchtigter Menschen. Das Ergebnis ihrer Arbeit ist ein Stadtführer für eine Route vom Nürnberger Hauptbahnhof bis zur Kaiserburg. Ergänzt wird dieser durch einen Audioguide mit Informationen zu bekannten Sehenswürdigkeiten für Besucher mit Sehbeeinträchtigung. Einen besonders nachhaltigen Eindruck hinterließ der Besuch des Bildungszentrums für Blinde und Sehbehinderte (BBS) Nürnberg. Dort lernten die P-Seminaristen nicht nur den Alltag sehbeeinträchtigter Menschen kennen, sondern nahmen auch selbst an einem Goalball-Training teil. „Erst als wir mit verbundenen Augen gespielt haben, wurde uns bewusst, wie wichtig Vertrauen, Konzentration und Kommunikation sind“, berichtet eine Teilnehmerin.

Aus dieser Erfahrung entstand die Idee, Goalball auch an die Schule zu bringen. Ziel war es, möglichst Vielen die Möglichkeit zu geben, die Welt aus einer ungewohnten Perspektive zu erleben. 14 Mannschaften aus den 11. und 12. Klassen traten gegeneinander an. Gespielt wurde nach den Grundregeln der paralympischen Sportart: Alle Spieler trugen blickdichte Brillen und mussten sich allein auf ihr Gehör verlassen. „Es war beeindruckend zu sehen, wie ernsthaft sich alle auf diese Herausforderung eingelassen haben“, sagt Seminarleiter Volker Zwack.

„Das Turnier hat gezeigt, dass Inklusion nicht nur ein theoretisches Thema ist, sondern durch eigenes Erleben verständlich wird.“ Im Finale setzte sich schließlich das Team „TikTok“ durch. Fast noch bemerkenswerter als das sportliche Ergebnis war jedoch die Atmosphäre in der Halle. Die zuschauenden Klassen verhielten sich außergewöhnlich ruhig, um den Spielenden die notwendige Orientierung über die Ballgeräusche zu ermöglichen. Die ungewohnte Stille machte deutlich, mit welchem Respekt und welcher Aufmerksamkeit die neue Sportart verfolgt wurde. Mit ihrem Projekt haben die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Wendelstein weit mehr erreicht als einen Stadtführer und ein gelungenes Sportturnier. Sie haben Barrieren sichtbar gemacht, Verständnis geschaffen und gezeigt, dass Inklusion vor allem dort beginnt, wo Menschen bereit sind, ihre Perspektive zu wechseln.

Volker Zwack